Archäologie im Küchenbeet

Nach dem Regen ... leuchteten immer wieder bunte Scherben im Küchenbeet

Die Küche lag im Siemers'schen Hof in Hamburg-Bergstedt, einem ehemaligen Bauernhof. Von 1958 bis 1991 wohnte dort meine Tante Emmi. Onkel Willi arbeitete als Gutsverwalter auf dem Hof, bevor der landwirtschaftliche Betrieb Anfang der 60er stillgelegt wurde. Sie blieben nach der Pensionierung in der Dienstwohnung; ich zog 1980 in den ersten Stock, half gelegentlich bei der Gartenarbeit.

 

Archäologie ist natürlich geflunkert, denn ich habe die bunten Scherben einfach beim Blumenpflanzen gefunden, fand sie schön und hob sie auf, so fing es an.

 

Schöne Farben. Phantasieanregende Spuren.

 

Ins Beet gehören keine Scherben, also weg damit? Eigentlich schade, besser ich lasse sie durch den Rost des Fußabtreters vor der Küchentür fallen. Hundert Scherben oder mehr sammelten sich im Laufe der Jahre in diesem Tresor.

 

 

Teil 1: Der Schatz aus dem Beet wird gesichert

Jahr 2000: Der Hof wird verkauft. Zeit für etwas Archäologie ...

Ende der Idylle. Küche und Waschküche samt  Eingang und Fußabtreter würden renoviert werden.

Ich leerte die Grube unter dem Fußabtreter und sicherte meinen Schatz.

Beim Küchenbeet sollte ein Pavillon gebaut werden. Im Sommer 2000 war ein großes Loch gegraben worden. Nach dem Regen glänzten darin Scherben, und auch aus dem Erdaushub. Ich durchsuchte also die Erde, grub etwas tiefer nach, fand viele Scherben, sortierte sie und zeigte sie herum. Daraufhin bekam ich Ofenkacheln, die die neuen Eigentümer des Hofes beim Renovieren in der Sandfüllung unter dem Fußboden des ehemaligen Pferdestalls gefunden hatten. Auch eine Bierflasche aus der Feldsteinmauer.

 

Nun wurde ich neugieriger und ging mit den Scherben zum Helmsmuseum, wo sie in der Sprechstunde von Herrn Dr. Articus freundlicherweise angesehen wurden. Er hat mir interessante Informationen und Tips gegeben.

Die Ergebnisse dieser ersten Schatzsuche, "Küchenbeet" genannt, sind auf diesen Seiten zu sehen.

 

Teil 2: Die Baggeraktion, und was zu Tage kam

2004: Mehrere Wohnblocks mit 66 Wohnungen sind geplant. Der Bunker und das Gartenland werden planiert, die Muttererde abgefahren. Zeit, die letzten Spuren zu bergen.

Baggeraktion im Garten. Es bleiben kaum Spuren übrig.
2004: Der Bunker ist weg, der Garten planiert.

Zum Resthof mit Scheune gehörten bis zum Jahr 2000 noch insgesamt ca. 10000  Quadratmeter Grundstück, größtenteils Gartenland. Bis auf kleine Reste am Hof und direkt an der ehemaligen Räucherkate an der Chaussee wurde das Grundstück abgeteilt und zur Bebauung verkauft.

 

Mehrere Wohnblocks mit 66 Wohnungen waren geplant. Der Bunker wurde abgerissen und weggefahren, ebenso die vom ehemaligen Schweinestall übrig gebliebenen Plumpsklo-Häuschen, und alles im Garten, Zäune, Gartenhäuschen, Findlingsmauer, auch 100 Bäume. Das Gartenland wurden planiert, die Muttererde abgefahren.

 

Waren noch Spuren zu retten?

Bagger kamen und räumten alles radikal leer, der Mutterboden wurde zu großen Haufen zusammengeschoben. In diesen Haufen fand ich etliche Scherben, ihre Herkunft kann man aber nur annähernd erschließen.

  • Im Bereich des ehemaligen Schweinestalls fanden sich Ofenkacheln und teils verbrannte Flaschenscherben, die vermutlich beim Bau des Stalls unter dem Fußboden in die Sandverfüllung geraten waren. 
  • In der Mitte des Gartens, wo früher der Hühnerstall stand, fanden sich Bierflaschenreste und verschiedene Scherben, Fensterglas- und Schüsselreste, die vom Abriss des Hühnerstalls übriggeblieben sein könnten.
  • Weiter vorne an der Chaussee hatte ganz früher ein weiteres Haus gestanden, die sogenannte Russenkate, die Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen wurde. Davon könnten einzelne Fußbodenfliesen gestammt haben, die Herr Schäffler gelegentlich in seinem Garten dort in der Ecke gefunden hatte. Vielleicht auch die Bunzlauer Scherben, die im Garten waren.
  • Bei dem Loch, was nach Abriss des Bunkers geblieben war, fand sich am meisten. Tante Emmi hatte an der langen Bunkerwand, am Ende zur Woold hin, einen Abfallhaufen. Vielleicht noch eine Gewohnheit aus der Zeit, als die Müllabfuhr noch nicht nach Bergstedt kam. Auch an anderen Stellen längs der Bunkerwand gab es viel Abfall. An der Ecke zur Woold hin lag anscheinend auch ein altes Klo, das vielleicht zu dem Verwalterhaus gehörte. Dies Haus stand von der zweiten Hälfte des 19. bis ca. in die 30er Jahre an der Woold, ziemlich nah der Ecke zur alten Schmiede hin. Auch von diesem Haus könnte etliches von dem Zeug beim Bunker gekommen sein.

 

Insgesamt sind die gefundenen Scherben aus diesem Bereich moderner und vielfältiger.